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Geschichten und Essays zum Neustart nach dem Lockdown. „Tage wie diese…in Zeiten des Abstands“ nennt der Koblenzer Schriftsteller und Verleger Alexander Broicher seine Anthologie35 Autoren und Autorinnen hatte Broicher gebeten, in nur vier Wochen Texte aller Genres beizusteuern. „Tage wie diese“ verlangen allen im Moment eben Besonderes ab. Ein Buch der Inspirationenen. Ideal zum Neustart. En Buch, das auch über die Pandemie hinaus lesenswert bleibt!


Anstatt sich zu Krisenerklärern aufzuschwingen, verarbeiten 35 Autorinnen und Autoren – darunter Benedict Wells, Sibylle Berg, Jan Brandt und Bettina Wilpert – diese beängstigende und diffuse Corona-Zeit in berührenden Geschichten, essayistischen Betrachtungen, Erzählungen, alltäglichen Beobachtungen, und diese Herangehensweise hat etwas Tröstliches, weil sie die Verunsicherung des coronageplagten Lesers mitzudenken scheint. Anders formuliert: Man fühlt sich bei der Lektüre aufgehoben.“ So schrieb es etwa Melanie Mühl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

Eine bunte Mischung aus Best-Sellern, Prämierten und Newcomern schrieb Geschichten, Essays oder Poetisches zur Überwindung der Krise.

Es ergeht einem ja genauso wie beispielsweise Moritz Rinke der längst nicht mehr weiß, wann Montag, Dienstag oder Mittwoch ist, ganz zu schweigen vom Datum. „Im ,Zauberberg‘ von Thomas Mann heißt es im Kapitel über ,Freiheit‘, dass Castorp diese Zeit im Rückblick ,zugleich unnatürlich kurz und unnatürlich lang erschien‘.“

Darüber, dass die Tage verschmelzen und einem den Überblick rauben, ist viel geschrieben worden, doch das ändert ja nichts daran, dass dieses Gefühl des Dahinplätscherns nach wie vor mächtig ist. Unterbrochen wird es bei Rinke durch eine abenteuerlich anmutende Aktion: Rinke, der für die El- tern eines Freundes Impfstoff gegen Pneumokokken besorgt hat, brettert wie ein Gangster auf der Flucht über die Autobahn zum verabredeten Übergabetreffpunkt an einer Raststätte und steigt mit Kühltasche aus dem Auto. „Der Freund, Asthmatiker, stand schon da. ,Komme mir zehn Schritte entgegen, lege es auf den Boden, dann steig wieder in dein Auto‘, sagte er. ,Wir haben uns verdammt lange nicht gesehen‘, sagte ich. ,Ja, stimmt, ich muss los. Ich weiß nicht, wie lange dein Kühlakku hält.‘“ Sonderbare Zeiten verlangen dem Einzelnen sonderbare Aktionen ab, die, wie in Rinkes Fall, in die Freundschaftsbiographie einfließen und später einmal unter Lachen erzählt werden dürften.

Ganz anders die Schriftstellerin Hatice Akyün: Sie stürzt sich ins Kochen und stellt so ihren durch die Corona-Pandemie erschütterten inneren Kompass wieder ein. Beim Kochen könne sie ihre Gedanken wie Küchenschubladen sortieren, wobei sie gelernt habe, dass große politische Ereignisse komplizierte Rezepte erfor- dern: „Die italienische Küche zum Beispiel eignet sich nicht besonders für Weltkrisen. Die Rucola-Zitronen-Pasta ist schneller fertig als ich mit dem Nachdenken“, schreibt sie in ihrem Beitrag „Kochen gegen die Krise“. Und die französische Küche? Sei ganz gut für mittlere Krisen. „Vielleicht sind Pulled-Gerichte gerade so beliebt, weil die Zubereitung Tage dauert.“ Kochen, so Hatice Akyün, wirke meditativ, man nehme sich im wahrsten Sinne des Wortes Zeit, etwas zu verarbeiten, auch wenn dies vielleicht naiv klingen möge. Aber das tut es nicht, im Gegenteil. Hatice Akyüns Text illustriert den zurückgenommenen, erzählenden, melancholischen, bisweilen tastenden Ton, auf den man in dieser Anthologie, deren Erlöse an in Not geratene Kulturschaffende gespendet werden, wie- der und wieder trifft. Niemand hat hier ein Corona-Rezept parat, es gibt weder Zehn-Punkte-Pläne, die uns zurück in die vermeintliche Normalität führen sollen, noch Virologen-Bashing, Politikerschelte oder Globalisierungsfeindlichkeit.“

Oder wer weiß beispielsweise schon, wie sich Corona wirklich anfühlt? Der überregional bekannte Berliner Szene-Türsteher Frank Künster (u.a. bekannt aus David Dietls Film „Berlin Bouncer“ )etwa steckte sich bei der Arbeit im Club an. Doch gerade der harte Türsteher, der es gewohnt ist, Einiges einzustecken, muss die Erfahrung machen, wie unfassbar schmerzhaft eine Covid-19 Infektion ist. Er schildert seine Erfahrungen von der Infektion bis zur Intensivstation als minutiösen Erfahrungsbericht.

Oder lassen Sie sich entführen vom langjährigen SPIEGEL Nummer 1 Best-Seller Benedict Wells, der in seiner Geschichte die Lust am Leben entfacht, indem er uns auf eine gedankliche Reise nach Barcelona entführt. Lernen wir fürs Leben und fürs Jetzt. 

„Die Frage nach dem richtigen Leben, nach verpassten und ergriffenen Chancen und danach, was Mitgefühl und Herzensoffenheit im Alltag bedeuten könnten, bleiben relevant, auch wenn es einen Corona-Impfstoff gibt. Der Mensch tendiert dazu, nach einer Phase im Ausnahmezustand rasch wieder in seinen alten Trott zurückzufallen. Diese Anthologie kann uns dabei helfen, nicht wieder zu Sklaven liebgewonnener Gewohnheiten zu werden.“ 

(Copyright by Melanie Mühl, FAZ)

 Pressezitat:

„Wir haben viel gemeinsame Erfahrungen in der Corona Zeit gemacht. In diesem Buch sind 35 sind glänzende, tolle Namen von Moritz Rinke Über David Wagner, Hatice Akyün bis Benedict Wells - da wissen Sie, was Sie an diesem Buch haben. Ein wunderbares Buch, höchst geistlich und unterhaltsam." (Ijoma Mangold ( Literaturkritiker DIE ZEIT) 


 

Der SQUT hat Alexander Broicher persönlich getroffen und die Gelegenheit genutzt, um mit ihm noch ein wenig über das Buch zu plaudern.

SQUT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein solches Projekt ins Leben zu rufen? 

Mir erschien und erscheint es mir wichtig, dem Virus positive Geschichten entgegenzusetzen. Wir alle sind von den Auswirkungen mehr oder minder betroffen, daher wollte ich Leserinnen und Leser mit Geschichten unterhalten, Freude bereiten, Ablenkung bieten und vor allem Kraft und positiven Aufschwung. 

SQUT: Wie ist es Ihnen gelungen, in so kurzer Zeit so viele namhafte Autoren zusammenzutrommeln?

Ich konnte einerseits auf mein Netzwerk als Herausgeber zurückgreifen, ich habe seit Jahren Anthologien mit 25 Autorinnen und Autoren verlegt, zum anderen hatten viele, die ich gefragt habe, im Lockdown auch Zeit, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Zudem half natürlich auch die Tatsache, dass es sich um ein Solidaritätsbuch handelt, da wir alle Erlösen spenden. 

SQUT: Gab es kein anderes Thema als Corona? Haben wir nicht alle schon genug gelesen zu Shutdown und Pandemie?

Nein, im Gegenteil. Wir haben in den Nachrichten ja nur die hässliche, bedrohliche Seite der Situation gespiegelt bekommen. Wir aber zeigen Geschichten voller Aufbruch, Lebensmut, Hoffnung und Reflexion, die uns helfen, das gemeinsam Erlebte zu verstehen.

SQUT: Das Buch ist eine “Corona-Benefiz-Anthologie”. Benefiz klingt gut. Was steckt dahinter?

Wir spenden die Erlöse an die ‚Kunstnothilfe, eine Inititiative der Elinor Stiftung. Wir wollen damit von der Pandemie betroffenen unter die Arme greifen und ihnen ermöglichen, weiter für die Menschen da draußen zu schauspielen, tanzen, singen, filmen oder was auch immer, momentan an Berufsausübung im Kulturbereich nicht möglich war oder ist.

SQUT: Wo kann man das Buch erwerben?

Das Buch ist für 14,90 Euro überall im Buchhandel, sowie in allen Online-Shops erhältlich. Versandkostenfrei und ohne Anmeldung bekommt man es direkt bei uns auf der Webseite: https://finebooks.myshopify.com/products/tage-wie-diese

35 Autorinnen und Autoren für 14,90 Euro oder als Ebook für nur 9,99 Euro. 

 

https://finebooks.myshopify.com/products/tage-wie-diese

 

Alexander Broicher ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Herausgeber und Verleger. Broichers Arbeiten sind mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturpreis des Deutschen Schriftstellerverbandes, dem Martha-Saalfeld-Literaturpreis, dem Eyes and Ears Award, Promax Europe, sowie zweier Fernsehpreise. Broicher tritt auch als Host und Moderator diverser Kulturveranstaltungen in Erscheinung. Sein Verlag gibt pro Jahr rund 10 neue Werke heraus:

http://www.finebooksverlag.com

https://www.facebook.com/BroicherAlexander